Wenn wir von Helden sprechen, dann kann man sich leicht im Bereich der Sagen oder Legenden verirren. Außerdem ist es eine Frage der Anschauung, jemand als Held zu bezeichnen. Wir, die Fußballer der SG Anspach hatten einen wahren Helden unter uns, der die Eigenschaften der Aufopferungsbereitschaft für Mitmenschen in seinem Herzen trug.
Schauen wir zurück. Wir schrieben das Jahr 1960. Unser unvergessener Jugendleiter Otto Ernst hatte wieder eine A-Jugend geformt, aus deren Reihen einige den Sprung in die erste Seniorenmannschaft schafften. Unter anderem befand sich auch unter diesen Talenten ein junger Mann, gerade 19 Jahre alt, der insbesondere von seiner Unerschrockenheit, seiner körperlichen Stärke und seinem unbändigen Willen, gewinnen zu wollen, lebte. Er war kein Filigrantechniker, aber dafür ein Kämpfer vor dem Herrn.
Er spielte gerade eine Spielsaison in der ersten Mannschaft, als es hieß, dass dieser junge Mann Vater werden würde. Vor Verantwortung hat er sich nie gedrückt. So war ihm auch klar, dass er sich fortan um das Wohl seiner zukünftigen Familie kümmern musste. Um genügend Geld zu verdienen, arbeitete er als Laborant bei einer renommierten Firma in Frankfurt, die weltbekannt für die Herstellung und Entwicklung von Kunstfasern war. Der junge Mann arbeitete auch im Schichtbetrieb. Das Labor befand sich in einem Versuchsturm. Als aus irgendwelchen Gründen der gesamte Turm durch eine Explosion erschüttert wurde und die dort gelagerten Kunststoffe in Windeseile ein wahres Flammeninferno auslösten, drohten die Beschäftigten als lebende Fackeln zu verbrennen. Rainer Grimm war es, der sich immer wieder in die Flammen stürzte und mehrere Kolleginnen und Kollegen aus dem Turm herausholte und damit das Leben rettete. Völlig entkräftet, mit schwersten Verbrennungen wurde nach den Rettungsaktionen Rainer Grimm ins Krankenhaus transportiert. Die selbst erlittenen Verbrennungen waren so stark, dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte.
Die Nachricht von seinem Tod erschütterte die gesamte Fußballerfamilie bis ins Mark. Der letzte Gang zum Friedhof war für uns wohl der schwerste, den wir bis zu diesem Zeitpunkt erlebten. Wir fanden kaum Worte des Abschieds. Sie blieben auch unserem Vorsitzenden Wenzel Dittl förmlich im Halse stecken, als er sah, dass neben unserem letzten Gruß das Brautbouquet für die geplante Hochzeit lag .
Auch dieses traurige Erlebnis gehört zum Leben der Fußballabteilung der SG Anspach. Heute noch sprechen wir voller Hochachtung von Rainer Grimm. In unseren Augen war Rainer ein wahrer Held, mit dem wir gemeinsam hinter dem Ball herjagten und in Erfahrung bringen mussten, dass Aufopferungs- und Einsatzbereitschaft nicht nur neunzig Minuten erforderlich sind, sondern uns ein Leben lang begleiten sollten.
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