Anfang der 50iger Jahre gab es eine Mannschaft, die in der A-Klasse des Obertaunuskreises/Usingen eine bedeutende Rolle spielte. Vater dieser Elf war Karl Kappert. In seiner sportlichen Glanzzeit vor dem Krieg war er Profi u. a. beim BC Augsburg, in Recklinghausen und München. Er spielte auch repräsentativ für Süddeutschland und Westfalen. Mit seinem Club kickte er auch im damaligen Mitropacup, dem Vorläufer des Messecups, heute UEFA-Cup. Karl Kappert wurde in Frankfurt ausgebombt und nach Anspach evakuiert und fand eine Wohnung im alten Rathaus in der Rathausgasse, heute über Ewald Mischke’s Wohnung. Er war einfacher, fleißiger Schuster, und teile das, was er noch hatte mit vielen jungen, hungrigen Fußballtalenten hier im Dorf, die nach dem 2. Weltkrieg begannen in Anspach einen allseits anerkannt guten Ball zu spielen.
Karl Kappert war schon weit über vierzig Jahre alt und spielte zusammen mit seinem Sohn Horst in der ersten Mannschaft. Es gab damals noch kein Fernsehen, aber eine sehr beliebte Quizsendung im Hörfunk. Sie hieß „Doppelt oder Nichts“ und wurde von Just Scheu moderiert. In dieser Sendung wurde eines Abends die Frage gestellt: „Wie ist es möglich, Vater und Sohn spielen in einer Mannschaft, jeder schießt ein Tor, aber das Spiel geht 1:1 aus?“. Der Gefragte wusste keine Antwort. Da erläuterte Just Scheu den Zuhörern, was sich in Stierstadt auf dem Platz abspielte. Horst fabrizierte ein Selbsttor und Vater Karl ging als Stopper nach vorne und köpfte den Ausgleich. Der Anspacher Fußball war auf einmal über das Hessenland hinaus bekannt. Was der Moderator verschwieg, war das Nachspiel an diesem Sonntag. Horst durfte nämlich nicht mit dem Holzvergaser des Arthur Eiffert mit nach hause fahren, sondern musste zur Strafe, weil er den Ball vertändelte, zur Strafe eine große Strecke zu Fuß laufen.
Karl Kappert war ein Phänomen. Für seine Jungs war er wie ein Vater. Wenn ihm jemand dreinredete, wie z.B. der damalige erste Vorsitzende Willi Riegel, ein angesehener, ortsansässiger Lebensmittelkaufmann, dann fuhr ihm Karl Kappert in die Parade und konstatierte vor versammelter Mannschaft: „Lieber Willi, Du kannst ein Fass Hering verkaufen, aber von Fußball hast Du keine Ahnung!“